
Lesemusik:
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derofa Durchschnittswertung - 7/107/10
Sehenswert
Am 11. August 2021 erschien mit dem interessanten Titel NOPE Jordan Peeles dritter Social-Thriller.
Der Oscar-Preisträger gilt seit Get Out (2017) als Garant für spannungsgeladene, sozialkritische Mindfuck-Trips, die Gänsehaut beim Zuschauer verursachen.
Laut Peele sollen innerhalb eines 10-Jahres-Plans insgesamt vier Filme dieser Art erscheinen.[1] Was sein drittes Werk zu bieten hat, haben wir uns genauer angeschaut.
Genre: Thriller, Horrorthriller, Mysterythriller, Sozialthriller, Science-Fiction, Western
Originaltitel: Nope
Produktionsland: USA
Produktionsfirma: Universal Pictures | Monkeypaw Productions
Regie: Jordan Peele
Drehbuch: Jordan Peele
Produktion: Jordan Peele, Ian Cooper
Musik: Michael Abels
Länge: ca. 130 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12
Veröffentlichung: 11. August 2022 (Kinostart DE)
Universum: Monkeypaw Productions
Vorgänger: Candyman (2021)
Nachfolger: Honk for Jesus, Save Your Soul (2022)
Ähnliche Titel: Get Out (2017), Wir (2019), Antebellum (2020), Him – Der größte aller Zeiten (2025)
Wertung: 
Autor: Jannik
Verfasst am: 19. August 2022
Lesezeit: ca. 4 Minuten (Direkt zum Fazit)

Mastermind
Mit Nope erreicht uns endlich wieder ein Film von Regisseur Jordan Peele.
Das amerikanische Mastermind heimste bei der Oscarverleihung 2018 mit seinem Skript zu Get Out (2017) die Auszeichnung für das beste Originaldrehbuch ein. Peele etablierte mit seinem Regiedebüt eine ganz eigene Art von sozialkritischen Thrillern und prägte damit nachhaltig das Genre.
Zuletzt machte der 43-Jährige mit dem Horrorthriller Wir (2019) auf sich aufmerksam.
Am 22. Juli 2022 (US-Kinostart) veröffentlichte er seinen neuen Film mit dem ungewöhnlichen Titel Nope erneut unter dem Banner des hauseigenen Studios Monkeypaw Productions.
Würde uns abermals diese eigenartig-befriedigende Form von Mindfuck präsentiert werden?!

Handlung – Eine Pferde-Ranch und merkwürdige Dinge
Nope handelt vom Familienbetrieb Haywood Hollywood Horses des Afroamerikaners Otis Jr. Haywood kurz OJ genannt (Daniel Kaluuya).
In der Wüste des kalifornischen Santa Clarita Valley betreibt OJ sein Geschäft mit Showpferden in der Film- und Fernsehindustrie.
Nach dem plötzlichen Tod von OJs Vater müssen der deprimierte Sohn sowie seine lebhafte Schwester Emerald Haywood (kurz Em) den Laden übernehmen und weiterführen.
Doch schon bald geschehen merkwürdige Dinge.

OJ und Em versuchen mit modernen Methoden das Business auf die Spur zu bringen
Ein neuer Social-Thriller?!
Nach Get Out und Wir waren wir sehr gespannt (wenn nicht gehyped) auf einen neuen Film aus dem Hause Monkeypaw.
Das Studio des Filmemachers Peele steht seit Get Out vor allem für sozial- und gesellschaftskritische Ausnahmewerke mit vielen Untertönen.
Sogenannte Social-Thriller, wie sie Peele selbst bezeichnet, sollten noch ganze vier weitere innerhalb des nächsten Jahrzehnts folgen, wie wir uns bereits in unserem Review zu Wir angeschaut haben. Nope ist vermutlich einer davon.
Damals teilte der Regisseur mit:

Ikonische Szene aus Get Out. Regisseur Peele arbeitete bereits in seinem Regiedebüt mit Schauspieler Kaluuya zusammen. Auch in Wir (2019) wirkte er mit.

Dreharbeiten zu Nope. Der Regisseur setzt erneut auf seinen bewährten Hauptdarsteller.
Genre-Vielfalt
Stilistisch ist der neue Film stark geprägt vom Genre des Western.
In den Weiten der karg-öden Landschaft des Drehorts Santa Clarita Valley (Kalifornien) und den storyrelevanten Pferden kommt das besonders zur Geltung.
Doch auch andere Genres mixt Peele seelenruhig mit ein. Etwa Science-Fiction à la Spielberg. Der Vergleich mit Unheimliche Begegnung der dritten Art (1977) wurde bei Kritikern mit am häufigsten genannt.[2] Diese Stilrichtungen paaren sich mit den dominanten Anteilen, bestehend aus Elementen des Horror– und Thriller-Genres.
Ein beinahe wirrer Trip ergibt sich aus dieser Mixtur. Doch ist dies wirklich der Spielerei mit den Genres geschuldet? Viel mehr ist es wohl die Geschichte, die manches Mal verwirrt, wenngleich diese wohl gattungstypisch bewusst so gestrickt wurde, um eben genau diesen Zweck zu erfüllen und diesen Effekt zu erzielen.

Filmisch-visuell gefällt Nope jedenfalls zweifelsohne. Die stechenden Augen von Kaluuya und seine deprimierte und dennoch störrische Performance werden mit einer beige-farbig dominierten Umwelt kombiniert. Die ruhige Ausstrahlung der Wüste mit ihrer dennoch bedrohlichen Aura der Weite kommt hervorragend durch.
Die Kameraarbeit des niederländisch-schwedischen Hoyte van Hoytema, welcher vor allem für die Zusammenarbeit mit Christopher Nolan bekannt ist, kommt dem von Panoramen geprägten Setting zudem unglaublich gut entgegen.[3]
Auch deshalb würden wir Nope in einem guten (Heim)Kino auch mehrfach bestaunen.

Peele bei der Arbeit an Nope mit IMAX-Kamera
Das Sandkorn
Das kratzende Sandkorn auf der Bildschirm-Oberfläche ist für uns auf inhaltlicher Ebene zu finden.
Zwar weiß die Geschichte sowohl in Tempo als auch in Erzählweise durchaus zu gefallen und zeigt hier kaum Schwächen, doch krankt sie an einem wesentlichen Element, was die bisherigen Social-Thriller von Peele ausmachte.
Während die anfangs angesprochenen Werke nur so durchzogen waren vom Fingerzeig, vom Anprangern und Hervorheben der sozialen Kritik, ist man beinahe so verwöhnt davon, dass die Tragweite, ja die Tragkraft in Nope zu kurz gekommen scheint.
Zwar prangert Nope offensichtlich die Sensationsgier der Menschen und die Sehnsucht nach medialer Sichtbarkeit an, doch konnte sich für uns dieses Motiv innerhalb der Handlung nie so ganz durchbeißen.[4]
Wo uns Get Out regelrecht in den Sitz presste und bewegte und uns Peeles zweiter Film Wir schamlos den Spiegel vorhielt und schockte, hat uns Nope emotional nie so richtig aufgewühlt.
Zugutehalten müssen wir dem Thriller jedoch den unkonventionellen Eindruck, denn er siedelt sich insgesamt trotz Versatzstücken und Ähnlichkeiten zu anderen Werken fernab des gewöhnlichen Seherlebnisses an. Doch die Gänsehaut – ja, ein Unbehagen – fehlte. Viel zu selten und in langsamerem Takt – als bei seinen bisherigen Social-Thrillern – verspürten wir wirkliche Durchschlagskraft. Das richtige „Baff sein“ blieb somit leider aus.

Fazit – Filmerlebnis Monkeypaw (fast ohne sozialkritischen Unterton)
Nope ist etwas weniger ein Social-Thriller. Der Zuschauer muss stark interpretieren, um die Gesellschaftskritik zu verstehen.
Er nimmt sich kein Ungleichgewicht innerhalb der Gesellschaft, welches ein Unwohlsein hervorruft, und treibt es dann, wie von Peele gewohnt, auf die Spitze.
War ein wesentliches Merkmal von Peeles Werken, das Fass sukzessive überlaufen zu lassen, sodass es sich am Ende im Abgang so anfühlte, als wäre das Fass tatsächlich viel mehr mit einem lauten Knall umgetreten worden, fanden wir in Nope zwar filmische sowie stilistische Schönheit, jedoch nicht genug Tragweite innerhalb der Handlung.
Nope beschränkt sich auf das Schicksal einer kleinen Gruppe anstelle einer globalen Gesellschaft.
Damit weiß der Film zwar optisch zu überzeugen, schafft es aber nie, über anspruchsvolle, beinahe arthouse-mäßige Sci-Fi-Horror-Thriller-Popcorn-Kino-Action hinaus und ist somit ein sehenswerter Film, in dem der für Peele eigentlich typische sozialkritische Unterton zwar vorhanden ist, jedoch weniger stark ausgeprägt zur Geltung kommt.

Trailer
Der offizielle deutsche Trailer zu Nope
