Archiv der Kategorie: Jordan Peele

Candyman (2021)

Lesemusik:

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©Universal Pictures Germany | Das hier verwendete urheberrechtlich geschützte Material dient nur zu Rezensions- sowie Veranschaulichungszwecken. Die Rechte des Materials liegen bei den genannten Rechteinhabern. Eine Vervielfältigung ist strengstens untersagt.
  • 6/10
    derofa Durchschnittswertung - 6/10
6/10

Jannik meint - Ganz gut

Mit „Candyman“ erreichte uns im Jahr 2021 ein weiterer Film von Jordan Peeles Produktionsfirma Monkeypaw Productions.

Anders als bei Peeles vorangegangenen Werken „Get Out“ (2017), „Wir“ (2019) und „Nope“ (2022) nahm der Sozialthriller-Experte diesmal nicht selbst auf dem Regiestuhl Platz. Zeitweise war dies unklar.[1] Stattdessen übernahm die New-Yorkerin Nia DaCosta das Zepter und Peele fungierte als ausführender Produzent und Drehbuchautor.

Der Horrorthriller „Candyman“ soll als „spirituelle Fortsetzung“ des 1992 erschienenen, gleichnamigen Slashers von Bernard Rose gesehen werden, wie die Macher preisgaben.[2] Er basiert also erneut auf der Kurzgeschichte „The Forbidden“ von Clive Barker.

Die Geschichte startet interessant. Der Künstler Anthony McCoy stößt auf die Legende des Candyman. Wird fünfmal sein Name in den Spiegel gesagt, soll der Mörder mit der Hakenhand unweigerlich erscheinen. Nach einer künstlerischen Schaffenskrise findet Anthony Inspiration in seiner neuen Entdeckung und richtet seine Werke darauf aus. Als sich dann immer mehr Morde in seinem direkten Umfeld ereignen, nimmt die Geschichte weiter Fahrt auf.

Gesellschaftskritisch versucht der Film, angesiedelt in Chicago, sich zum Thema der Gentrifizierung zu äußern.  Das wirkt eher unpassend und aufgesetzt, da es mit der eigentlichen Horrorgeschichte um den Candyman wenig verwoben wirkt.

Insgesamt bietet „Candyman“ außerdem nur wenige imposante Bilder und interessante Ideen. So schafft er es, einzig mit seiner, für Monkeypaw typisch, hohen Produktionsqualität und den treffenden Schattenspielen des Chicagoer Theater-Kollektivs Manual Cinema aufzutrumpfen.

Das reicht jedoch nicht für mehr als einen ganz guten Horrorthriller mit viel Luft nach oben. „Candyman“ enttäuscht in den meisten Disziplinen des Genres und bleibt relativ blass, als zwar kein völlig verünglückter aber eben etwas blutleerer Leinwandausflug.

(13. Juli 2023)

Genre: Horrorthriller, Sozialthriller, Slasher, Body Horror, Übernatürliches

Originaltitel: Candyman

Produktionsland: USA, Kanada

Produktionsfirma: Universal Pictures | Monkeypaw Productions, Metro-Goldwyn-Mayer Pictures, Bron Creative

Regie: Nia DaCosta

Drehbuch: Jordan Peele, Win Rosenfeld, Nia DaCosta

Produktion: Jordan Peele, Win Rosenfeld, Ian Cooper

Musik: Robert Aiki Aubrey Lowe

Länge: ca. 91 Minuten

Altersfreigabe: FSK 16

Veröffentlichung: 26. August 2021 (Kinostart DE)

Universum: Monkeypaw Productions

Vorgänger: Wir (2019)

Nachfolger: Nope (2022)

Ähnliche Titel: Get Out (2017), Antebellum (2020), Him – Der größte aller Zeiten (2025)

Quellen
https://de.wikipedia.org/wiki/Candyman_(2021) | https://en.wikipedia.org/wiki/Candyman_(2021_film) | https://www.imdb.com/de/title/tt9347730/reference/

Was haltet Ihr von „Candyman“? Kann die geistige Fortsetzung dem Original das Blut reichen? Und wie fandet Ihr die gesellschaftskritische Komponente? Teilt eure Gedanken zu „Candyman“ mit uns in der Kommentarsektion! Wir würden uns freuen. Und der Killer mit der Hakenhand bestimmt auch!


Trailer

Der offizielle deutsche Trailer zu „Candyman“

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Get Out (2017)

Lesemusik:

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  • 10/10
    derofa Durchschnittswertung - 10/10
10/10

Jannik meint - Lieblingsfilm

Im Falle von „Get Out“ könnte ich lange und kompliziert über die dem Werk innewohnende Rassismusthematik und Gesellschaftskritik philosophieren. Ich könnte erzählen, dass durch „Get Out“ die Produktionsfirma von Jordan Peele, Monkeypaw Productions, zu meiner Lieblingsproduktionsfirma im Bereich der Thriller wurde.

Ich könnte schildern, welch tiefschürfende, sozialkritische Komponente in dem mit einem Oscar ausgezeichneten Drehbuch-Meisterwerk verbaut ist. Ich könnte darauf eingehen, wie subtil und mit weniger Zeigefinger „Get Out“ für seine Botschaft sensibilisierte als spätere Genrekollegen und Trittbrettfahrer wie etwa der offensive, absolute, moralisierende und pauschalisierende „Antebellum“ aus dem Jahr 2020.

Oder ich beschreibe einfach meinen Eindruck und mein Gefühl, welches während der 104 Minuten für Gänsehaut und ein erinnerungswürdiges, unvergessliches Kinoerlebnis sorgte.

„Get Out“ hat mich mit all seiner (Aussage-)Kraft regelrecht in den Kinositz gepresst, fesselte mich mit Ledergurten an die Armlehnen, flößte mir sich selbst ein und ließ mir immer wieder Schauer über den Rücken laufen.

Ein ganz besonderes Gefühl war für mich, jederzeit der Überzeugung zu sein, alles zu durchschauen und alles in meinem Kopf zu kontrollieren. Nur um im nächsten Moment wieder mit etwas konfrontiert zu werden, was sich als bemerkenswert unheimlich bei mir einbrannte.

Es waren genau diese Emotionen, die ich empfinden, und genau dieser Eindruck, der sich bei mir manifestieren sollte, als ich das Vorhaben beschloss, durch einen Psychothriller zu erschaudern und das D-Box-Kinoticket zu lösen.

Fazit: „Get Out“ ist ein unheimlich spannender, packender und auf eine befriedigende Art und Weise verstörender Film mit hohem Thrillfaktor und wurde damit anno 2017 meine ganz persönliche neue Referenz in Sachen Mindfuck-Sozialthriller.

(16. Mai 2017 | 22. Februar 2026)

Genre: Horrorthriller, Psychothriller, Sozialthriller

Originaltitel: Get Out

Produktionsland: USA

Produktionsfirma: Universal Pictures | Blumhouse Productions, QC Entertainment, Monkeypaw Productions

Regie: Jordan Peele

Drehbuch: Jordan Peele

Produktion: Sean McKittrick, Jason Blum, Edward H. Hamm Jr., Jordan Peele

Musik: Michael Abels

Länge: ca. 104 Minuten

Altersfreigabe: FSK 16

Veröffentlichung: 4. Mai 2017 (Kinostart DE)

Universum: Monkeypaw Productions

Vorgänger: Keanu (2016)

Nachfolger: BlacKkKlansman (2018)

Ähnliche Titel: Wir (2019), Antebellum (2020), Nope (2022)Him – Der größte aller Zeiten (2025)

Quellen
https://de.wikipedia.org/wiki/Get_Out | https://en.wikipedia.org/wiki/Get_Out | https://www.imdb.com/de/title/tt5052448/reference/
Was haltet Ihr von „Get Out“? Interessanterweise vereint der Film alle Produktionsfirmen, die heute als typisch für genau diese Art von Kinoerlebnis gelten. Blumhouse, Monkeypaw und QC Entertainment. Was für eine Kombination. Fehlt eigentlich nur noch James Wans Atomic Monster. Was haltet Ihr vom Regiedebüt von Social-Thriller-Pionier Jordan Peele? Teilt eure Gedanken zu „Get Out“ mit uns in der Kommentarsektion! Wir würden uns freuen. Und Haushälterin Georgina bestimmt auch!

Trailer

Der offizielle deutsche Trailer zu „Get Out“

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Him – Der Größte aller Zeiten (2025)

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  • 5.5/10
    derofa Durchschnittswertung - 5.5/10
5.5/10

Geht so bis ganz gut

Mit „HIM“ erschien am 13. November 2025 der neueste Film von Jordan Peeles Studio Monkeypaw Productions.

Trailer und Poster sahen vielversprechend aus, weil es den Eindruck machte, sie seien gekonnt trapiert worden. Ein junger Footballspieler mit Maschinenhaarschnitt, oberkörperfrei. Unten weiß bekleidet und mit jeweils einem Football in den weit ausgestreckten Händen. Blutüberströmt und im Hintergrund bejubelt, wie nach genauem Betrachten auffällt, von unheimlich gesichtslosen Cheerleadern.

Ziemlich geheimnisvoll. Sollte es sich wieder um einen Social-Thriller handeln? Dafür ist Oscarpreisträger Peele (Get Out, 2017) schließlich berühmt. Unsere Neugier war geweckt.

„HIM“ handelt vom Football-Talent Cam (Tyriq Withers) und seinem unheimlichen Mentor Isaiah (Marlon Wayans). Nachdem sich die Karriere des „Greatest of all the Time“ (kurz GOAT) in seinen letzten Zügen befindet, soll Cam als vielversprechendster Nachwuchsspieler in dessen Fußstapfen treten. Was wie ein Sportdrama beginnt und klingt, wird zunehmend ein mysteriöser Horrorthriller, angesiedelt in der Welt eines selbstzerstörerischen Profisports.

So wirkt es eingangs noch so, als könnte ein Motiv von „HIM“ sein, auf bizarre Art und Weise Hirnschädigungen im Profi-Football zu thematisieren, zu hinterfragen und zu verarbeiten. Schließlich gilt der Sport nicht erst seit gestern als problematisch in Bezug auf Schädel-Hirn-Traumata und die Erkrankung der chronisch traumatischen Enzephalopathie (kurz CTE, siehe Fall Aaron Hernandez).

Auch andere umstrittene, für den Football-Sport typische Punkte wie das Drafting-System, Vertragsverpflichtungen und der Haltung, Sportler wie Ware zu behandeln, werden aufgegriffen und zumindest angeschnitten.

Anschließend findet eine merkwürdige Vermengung dieser Elemente mit dem Christentum und den 7 Tagen der Schöpfung (Buch Genesis) statt, welche als Kapitel eingeblendet werden. Cam sieht immer wieder Dinge, ohne dass wir als Zuschauer wissen, was Realität und was Einbildung ist. Teilweise harte, surreale Bilder, die zwar unangenehm, aber nie wirklich furchterregend werden, lassen die Frage aufkommen, ob „HIM“ vielleicht mehr in Sachen Spannung als in puncto Horror aufwarten kann.

In dieser Phase sagt der Film A aber er kommt einfach nicht zu B und lässt den Zuschauer in der Luft hängen. Die sich wiederholenden paranoiden Wahnvorstellungen wirken in diesem Moment deshalb wie Selbstzweck ohne tieferen Sinn. Der Sportthriller dümpelt dann die meiste Zeit vor sich hin, wenn man von den optischen Schauwerten und der starken Präsenz von Hauptdarsteller Tyriq Withers einmal absieht und sich beidem entziehen kann.

Denn eines muss man „Him“ lassen: In seiner steril wirkenden Trainingsumgebung, hauptsächlich angesiedelt in Isaiahs unwirklichem, hochgezüchtetem und bis aufs letzte optimierten Domizil, strahlt das Werk eine gewisse Ästhetik und Produktionsqualität aus. Manchmal erinnert der visuelle Kontrast zwischen knackscharfer Realität und unwirklicher Dunkelheit im besten Sinne an „Nope“ (2022, ebenfalls Monkeypaw). „Him“ kommt jedoch nicht an die stilistische Raffinesse des Sci-Fi-Westerns heran bei dem Jordan Peele nicht nur produzierte, sondern selbst Regie führte.

Was darüber hinaus fehlt, ist der Nervenkitzel. „Him“ driftet mit zunehmender Laufzeit immer mehr in die Bedeutungslosigkeit ab. Als Zuschauer muss man sich an einem gewissen Punkt sehr darauf einlassen können und Interpretationsfreude an den Tag legen, um etwas im Film zu sehen, was nicht offensichtlich ist.

Gegen Ende ist es jedoch recht platt-durchschaubar und pseudotiefgründig-bedeutungsschwanger, wenn sich das visuell krass inszenierte, gewaltsam entladende Finale in einer Mischung aus befreiend schwarzhumorig und glänzend blutig befriedigend entlädt. (7. Februar 2026)

Genre: Horror, Sport, Body Horror, Übernatürliches

Originaltitel: Him

Produktionsland: USA

Produktionsfirma: Universal Pictures | Monkeypaw Productions

Regie: Justin Tipping

Drehbuch: Skip Bronkie, Zack Akers, Justin Tipping

Produktion: Jordan Peele, Win Rosenfeld, Ian Cooper, Jamal Watson

Musik: Bobby Krlic

Länge: ca. 96 Minuten

Altersfreigabe: FSK 16

Veröffentlichung: 13. November 2025 (Kinostart DE)

Ähnliche Titel: Wir (2019), The Ritual (2017), The Prodigy (2019), The Fanatic (2019), The Empty Man (2020), Malignant (2021)

Quellen
https://de.wikipedia.org/wiki/Him_%E2%80%93_Der_Gr%C3%B6%C3%9Fte_aller_Zeiten | https://en.wikipedia.org/wiki/Him_(2025_film) | https://www.imdb.com/de/title/tt20990442/reference/?ref_=mv_desc
Was haltet Ihr vom neuesten Film von Monkeypaw Productions? Habt Ihr auch mehr erwartet? Teilt eure Gedanken zu “Him” mit uns in der Kommentarsektion! Wir würden uns freuen. Und der GOAT bestimmt auch!

Trailer

Der offizielle deutsche Trailer zu „Him – Der Größte aller Zeiten“

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Wir (2019)

  • 9/10
    derofa Durchschnittswertung - 9/10
9/10

Herausragend

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass Jordan Peele für sein Regiedebüt Get Out (2017) den Oscar für das beste Originaldrehbuch einheimsen konnte. Der Psychothriller mit gesellschaftskritischem Unterton, kam bei Fans und Kritikern ausgezeichnet an.
Heute am 21. März 2019 startete sein nächster Thriller in den deutschen Kinos und das sogar einen Tag vor US-Start.
Grund genug für derofa.de, den neuen Film von Jordan Peele genauer unter die Lupe zu nehmen.

Genre: Horrorthriller

Autor: Jayes

Verfasst am: 21.03.2019

Wertung: 


Zurück in Kino 1

Da sind wir wieder. Zurück in Kino 1, wo uns schon 2017 Peeles „Get Out“ in Dolby Atmos mit seinen wummenden afrikanischen Bässen von den Sitzen pustete und mit unaufhörlicher Spannung die Haare zu Berge stehen ließ.
Ein besonderer Film wie „Get Out“ setzt selbstverständlich hohe Erwartungen an den geistigen Nachfolger „Wir“. Doch kann der Horrorthriller diesen Erwartungen gerecht werden? Und um was geht es in „Wir“ überhaupt?



Handlung

Es ist das Jahr 1986. Michael Jacksons Thriller ist ein Welthit. Die kleine Adelaide Wilson ist mit ihren Eltern auf einem Jahrmarkt am Strand von Santa Cruz.
Sie haben Spaß beim Dosen werfen und anderen Attraktionen. Als die Eltern ihre Tochter aus den Augen verlieren, taucht sie wenig später wieder auf. Dem Zuschauer wird nur teilweise offenbart, was dem Mädchen widerfahren ist.
Adelaides Eltern ist schnell klar, irgendwas muss in den 15 Minuten der Abwesenheit mit dem Kind passiert sein.
Zeitsprung ins Erwachsenenalter. Viele Jahre später ist Adelaide erwachsen und hat eine Familie gegründet. Mit ihrem Mann Gabe und ihrer Tochter Zora sowie dem jüngeren Sohn Josh, macht sie Urlaub nahe dem Strand von damals. Dem Strand von Santa Cruz. Sie lassen sich im Ferienhaus der Familie nieder.



Genre Horrorthriller

Was dann passiert, sollte jeder selbst sehen. So viel sei verraten: „Wir“ ist ein herausragender Film und bietet nach seiner Einführung permanente Spannung – regelrecht den permanenten Thrill. Und der beißt sich fest und will einfach nicht aufhören.
Was dabei sofort auffällt – und was wir nicht erwartet hätten: Der Film enthält deutlich mehr Horror-Anteile als „Get Out“.
So ist spürbar das „Get Out“ mehr Psychothriller und „Wir“ mehr Horrorthriller ist. Damit muss man als Zuschauer ohne Affinität für das Horror-Genre erst einmal zurecht kommen. Viele Horror-Elemente wie Jump-Scares erschrecken den Zuschauer. Eine düstere und geradezu teuflische Atmosphäre zeichnet das Geschehen aus.
Doch als wir diesen Umstand erstmal akzeptiert hatten, konnten wir uns immer mehr auf den Schrecken von „Wir“ einlassen.



Keine Ruhe

Klar ist, dass „Wir“ uns keine Ruhe lässt. Eine furchterregende Szene jagt die nächste und treibt uns vor sich her. Verschnaufpausen gibt es wenige. Wir werden wie durch einen Sog in eine dunkle Welt gezogen, in der eigene Regeln gelten. „Wir“ scheint sich fest vorgenommen zu haben, uns immer wieder mitzureißen und erschaudern zu lassen. Immer wieder eine neue brachiale Szene zu liefern die uns angeekelt, Haare raufend oder mit offenem Mund zurück lässt.

Die große Stärke

Und genau das ist die große Stärke des Horrorthrillers. Nachdem der „Wir-Zug einmal Fahrt aufgenommen hat, lässt er uns auf unserem Trip so schnell nicht mehr aussteigen. Er reißt uns mit und rammt uns gewaltsam mit aller Kraft von Schreckensstation zu Schreckenssituation und immer weiter bis zum Ziel – die Nerven des Zuschauers abzuverlangen.
Es ist schwer, etwas über „Wir“ zu erzählen ohne zu viel zu verraten. Dieses Problem hatten wir auch schon in „Get Out“. Aber eigentlich ist das etwas positives. „Wir“ ist ein Film den man einfach anschauen sollte, um sich selbst von seiner irrsinnigen Art überzeugen zu lassen.



Ein würdiger Nachfolger

Unterm Strich steht „Wir“ dem geistigen Vorgänger „Get Out“ in nichts nach. „Wir“ ist genauso besonders, „Wir“ ist genauso spannend, „Wir“ ist sogar noch furchterregender und erschreckender. Aber „Wir“ ist auch unrealistisch.
Am Ende spielt also die eigene Präferenz eine große Rolle, ob man mit den Horrorelementen und der etwas anderen Gangart des Films zurecht kommt. Bei Get Out gefiel uns besonders, dass er ein realistischer Psychothriller war, was „Wir“ eben nicht ist, vermutlich aber auch nicht sein will.
Was hätte „Wir“ besser machen können? Uns will nichts einfallen!



Ergibt das Sinn?

Achtung Spoiler! (verrät wesentliche Teile der Handlung)

Der Twist des Körpertauschs ist so nahe liegend und trotzdem war es eine unglaubliche Überraschung für uns, dass Adelaide sich bereits als Kind ausgetauscht hatte.

Doch ergaben sich für uns daraus Fragen, ob die Handlung so noch Sinn macht. Dass Adelaide genauso aus der Unterwelt kam, wie es wohl auch ihre Doppelgängerin gewesen wäre, also verstört mit angsteinflößender gequälter und verkommener Stimme, ist logisch, da sie dort unten gelebt hatte. Den abstrusen Marionettenhaft wirkenden Zwillingen ausgesetzt zu sein, hat sie garantiert verrückt gemacht.

Auch dass sie ihre am Baum hängende Doppelgänger Tochter sanft in den Tod begleitet, anstatt den finalen Stoß zu setzen, ergibt im nachhinein Sinn. Auch andere Szenen erscheinen plötzlich in völlig anderem Licht.

Da Adelaide bereits als Kind den Plan durchführte, hinterrücks ihre rätselnden Eltern belächelt, die sich Fragen was wohl passiert sei, stellt sich die Frage, ob ihr späteres Verhalten innerhalb der Familie noch logisch und nachvollziehbar bleibt.

Naja, sei es drum. Wir könnten lange über “Wir” philosophieren, denn der Film bot viele große Momente.

Übrigens

Jordan Peele hat verkündet, vier weitere “Social-Thriller” geplant zu haben, die innerhalb des nächsten Jahrzehnts veröffentlicht werden sollen. So teilte der Regisseur mit: “Die besten und furchterregendsten Monster in der Welt sind menschliche Wesen und wozu wir in der Lage sind, besonders wenn wir aufeinander treffen. Ich habe an diesen Prämissen dieser verschiedenen sozialen Dämonen gearbeitet, diesen inhärenten Monstern, der Art, wie sie in unser Denken und unsere Interaktion eingewoben sind. Und jeder weitere Film soll von einem anderen dieser sozialen Dämonen handeln.[2]

Sieht so aus als könnten sich Fans von “Get Out” und “Wir” auf viele weitere schockierende Leinwanderlebnisse freuen. Wir sind gespannt und halten euch auf derofa.de auf dem laufenden.

Quellen
[1]

Bilder: ©Universal Pictures International Germany GmbH


   Weitere Wertungen


Lissa meint →  Herausragend

„Als ich mir den Film im Kino ansah, wurde ich sehr überrascht. Erwartet hatte ich einen Film wie Get Out.

Was ich erhielt, war ein Horrorthriller, der mich schon ab der ersten Minute gruseln ließ und mir so die Nerven geraubt hatte.

Als Horror-Fan kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass Wir nichts für schwache Nerven ist und jeder Horror-Fan seinen Spaß daran haben wird.“   (19.04.2019)