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derofa Durchschnittswertung - 9.5/109.5/10
Herausragend
Eine der erfolgreichsten Netflix-Produktionen aller Zeiten ist bekanntermaßen die koreanische Serie „Squid Game“ (2021-2025). Doch wie originell ist der Stoff überhaupt?
Was viele nicht wissen: Mit „Kaiji“ erschien bereits im Jahr 1996 ein Manga von Nobuyuki Fukumoto – von dem sich der Netflix-Quotenhit einige riesige Scheiben abgeschnitten hat.
Als „Kaiji: Ultimate Survivor“ folgte 2007 die passende Animeadaption zu Fukumotos Werk, von keinem geringeren Studio als dem renommierten Madhouse.
Was der ungewöhnliche Seinen-Anime zu bieten hat – und warum er besser als „Squid Game“ ist – haben wir uns genauer angeschaut.
Originaltitel:
Produktionsland: Japan
Produktionsfirma: Nippon Television, D.N. Dream Partners, VAP | Madhouse
Showrunner: Hideo Takayashiki (Series Composition)
Regie: Yuzo Sato (und weitere)
Drehbuch: Hideo Takayashiki (und weitere)
Produktion: Hiroshi Hirayama, Masao Maruyama, Toshio Nakatani, Seiji Okuda, Ryohei Takahashi, Manabu Tamura (und weitere)
Musik: Hideki Taniuchi
Staffeln: Staffel 01 (26 Episoden) (2007-2008), Staffel 02 (26 Episoden) (2011)
Länge: ca. 23-24 Minuten je Episode
Altersfreigabe: 16 (lt. Netflix) (Stand: 12.01.2026)
Veröffentlichung: Staffel 01 (03.10.2007 – 02.04.2008), Staffel 02 (06.04.2011 – 28.09.2011)
Ähnliche Titel: Samurai Champloo (2004), Attack on Titan (2013-2023), Parasyte: The Maxim (2014-2015), Terror in Tokio (2014), Tokyo Ghoul (2014-2018), GANGSTA. (2015), Squid Game (2021-2025)
Wertung: 
Autor: Ricco
Verfasst am: 19. Juli 2025
Lesezeit: ca. 4 Minuten (Direkt zum Fazit)
Musik zum Lesen:

Was macht „Kaiji“ so besonders?
Durch Zufall bin ich auf diese Perle von Anime aus dem Hause Madhouse gestoßen, von der viel zu wenig gesprochen wird. Und das, obwohl die Serie unter anderem den Grundstein für „Squid Game“ (2021-2025) gelegt hat: Kaiji: Ultimate Survivor.
Nicht umsonst hat dieser Anime, der auf der Manga-Reihe von Nobuyuki Fukumoto basiert, zumindest in der ersten Staffel den Zusatz Ultimate Survivor.

Original Manga-Bände von „Kaiji“ (seit 1996)
Handlung – Zahle oder spiele
Kaiji Ito ist ein junger perspektivloser Japaner, der für sich keinen Platz in der Gesellschaft findet und ein trostloses Dasein fristet. Er verbringt seine Freizeit mit trinken, gamblen, Zigaretten rauchen und sabotiert die Reifen von teuren Autos, um seinen Unmut gegenüber der reichen Oberschicht zum Ausdruck zu bringen, die seiner Meinung nach Schuld an seiner Situation ist.
Eines Tages bekommt er Besuch von Yuji Endo, einem Schuldeneintreiber. Diese Begegnung nimmt eine dramatische Wendung in Kaiji’s Leben, denn Endo erwartet eine Rückzahlung von Schulden, für die er zusammen mit einem ehemaligen Arbeitskollegen gebürgt hatte.
Weil Kaiji nicht zahlen kann, bietet ihm Endo zwei Möglichkeiten an, um der Forderung nachzukommen. Entweder die Schulden in Raten abbezahlen, was etwa zehn Jahre in Anspruch nehmen würde, oder bei einem Event auf einem Schiff als Spieler teilnehmen mit der Aussicht sehr viel Geld zu gewinnen. Kaiji zögert zunächst, doch durch einen psychischen Trick Endo’s, stimmt Kaiji schließlich zu und betritt eine Woche später das Schiff Espoir (franz. Hoffnung), auf dem das große Spiel stattfinden soll. Noch ahnt Kaiji nicht, auf was er sich hier eingelassen hat …

An dieser Stelle möchte ich nicht zu viel verraten, denn was folgt ist unfassbar spannend und ich konnte nicht mehr anders, als mir alle zwei Staffeln innerhalb kürzester Zeit zu Gemüte zu führen.
Dieser Moment, wenn bei Kaiji eine Karte umgedreht wird oder ein Los-Ticket gezogen wird, treibt dein Adrenalin sowas von in die Höhe. Und man kann in der Serie unmöglich vorhersagen, was wohl passieren wird, denn es gibt sehr viele überraschende Wendungen, die zum Teil auch schockieren.
Es gibt auch immer wieder Ausschnitte aus Kaiji’s Vorstellungen, um seine inneren Gefühle und Konflikte verstärkt durch die bildliche Untermalung zum Ausdruck zu bringen.

Warum „Kaiji“ besser als Squid Game ist
Die Parallelen zu „Squid Game“ sind nicht von der Hand zu weisen. Warum aber „Kaiji“ das bessere „Squid Game“ ist, werde ich nun in einigen Punkten erläutern.
Punkt 1: Die Handlung
Wenn du bei „Kaiji“ die Spiele verlierst bist du entweder ein Leben lang verstümmelt, Tod oder du hast noch mehr Schulden als vorher und musst – wenn du Pech hast – 20 Jahre oder länger unter Tage arbeiten, um deine Schulden zu begleichen. Ohne Aussicht auf echtes Tageslicht. Das macht es für die Verlierer der Gamble-Spiele deutlich dramatischer.
Punkt 2: Die Charaktere
Während „Squid Game“ schon fast überladen ist von Charakteren, ist „Kaiji“ deutlich bescheidener und konzentriert sich eher auf einige wenige Haupt- und Nebenfiguren. Zudem haben alle Charaktere neben positiven auch negative Eigenschaften und bewegen sich somit in der Grauzone. Im Gegenzug hat man bei „Squid Game“ oft den Eindruck, dass man sich oft nur an der Oberfläche bewegt und die Charaktere in Gut und Böse unterteilt sind.

Punkt 3: Die Antagonisten
Bei „Squid Game“ verstecken sich alle hinter irgendwelchen Masken und tun alles, um ihre tödlichen Spiele geheim zu halten. Im Gegensatz dazu geht die Organisation in „Kaiji“, die sich Teiai nennt, sehr offen damit um, pflegt wichtige Kontakte zu öffentlichen Unternehmen und ist deutlich schwerer zu zerschlagen, da diese Organistaion aus mehreren tausend Mitgliedern besteht.
Punkt 4: Die Spiele
Ich weiß: „Squid Game“ hat sehr spannende Spiele und es ist sehr gut inszeniert. Aber bei „Kaiji“ muss man sein Gehirn auf Höchstleistung bringen, um die richtige Lösung zu finden. Kaiji spielt zum Teil auch gegen Mitglieder von Teiai und sogar gegen dessen Chairman. Diese Spiele, in denen Kaiji im Eins gegen Eins gegen den Chairman antritt sind sehr intensiv und gehören zu den spannendsten Szenen des gesamten Anime. Es gibt auch Spiele die mit leichter Abwandlung bei „Squid Game“ übernommen wurden. Zum Beispiel gibt es ein Spiel in dem die Teilnehmer um Kaiji einen etwa 10 Zentimeter schmalen Balken, der in über hundert Metern Höhe zwischen zwei Wolkenkratzern aufliegt und unter Strom geschaltet ist, balancieren. Dabei gibt es einen Twist am Ende, den ich an dieser Stelle nicht verraten will, denn so einfach ist es nicht, dieses Spiel zu gewinnen. Die Glasbrücke aus der ersten Staffel „Squid Game“ kommt dem am nächsten.

Netflix „Squid Game“ hat ganz offensichtlich von „Kaiji“ kopiert
Punkt 5: Das Pacing
Bei „Kaiji“ geht es immer stetig nach vorne. Jede Folge endet mit einem gewaltigen Cliffhanger, sodass man es kaum erwarten kann wie es weiter geht. Man hält sich nicht mit unnötigen Nebenhandlungen auf, die schließlich ins Nichts führen („Squid Game“ Staffel drei lässt grüßen) oder zieht die Handlung in die Länge (die Votings in Staffel zwei und drei bei „Squid Game“). Alles was bei „Kaiji“ gesagt, getan und gezeigt wird, bringt die Handlung voran und es gibt nichts, was das Pacing dabei bremst.
Punkt 6: Der Soundtrack
Klar, das ist Geschmacksache und der Soundtrack von „Squid Game“ ist ikonisch, keine Frage. Aber was Hideki Taniuchi, der unter anderem auch die ikonischen Titelmelodien zu Death Note komponiert hat, für geniale Soundtracks beigesteuert hat ist einfach nur pure Genialität. Hervorzuheben hierbei ist der Titel Wish, der noch lange danach im Kopf bleibt.
Hideki Taniuchi – Wish (Kaiji OST) (2008)

Fazit – Besser als „Squid Game“
Kommen wir zum Fazit. Wer bis hierher aufmerksam gelesen hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass ich „Kaiji“ deutlich über „Squid Game“ sehe. Und versteht mich nicht falsch, ich finde „Squid Game“ ebenfalls großartig, auch wenn Staffel zwei und drei deutlich abgebaut haben im Vergleich zur genialen ersten Staffel. Jedoch ist „Kaiji“ schlicht besser, wie bereits in den einzelnen Punkten beschrieben. Mit Kaiji Ito hat Nobuyuki Fukumoto zudem einen der intelligentesten Protagonisten von ganz Ani-Manga geschaffen und es macht einfach nur Spaß, sich diese Perle von Anime reinzuziehen. Mir fällt es nicht leicht, etwas negatives zu „Kaiji“ zu schreiben und es gibt auch nichts Schlechtes. Das Einzige was man kritisieren könnte wäre, dass es kaum Frauenfiguren gibt und die Zeichnungen etwas gewöhnungsbedürftig sind.

Trailer
Der offizielle englische Trailer zu „Kaiji: Ultimate Survivor“






