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derofa Durchschnittswertung - 4.5/104.5/10
Uninteressant
Nachdem wir zuletzt bereits einen Blick auf den japanischen Rollenspielklassiker „Secret of Mana (1993)“ auf dem Super Nintendo warfen, steht nun ein vielversprechendes Remake ins Haus.
Zum 25. Jubiläum des Spiels möchte Publisher Square Enix – vor allem bekannt als „Final-Fantasy„-Schmiede und „Dragon Quest“-Studio (der beliebtesten Spieleserie Japans) noch einmal die Kassen klingeln lassen.[1] Dafür wurde kurzerhand Q Studios mit ins Boot geholt.
Warum das qualitativ gehörig schief ging und Fans ein liebloses – ja gar hingerotztes Spiel serviert bekommen – erfahrt Ihr in unserem Test zum Remake von „Secret of Mana“.
Genre: Abenteuer, Action-Adventure, RPG, JRPG
Originaltitel: Secret of Mana
Produktionsland: Japan
Entwicklerstudio | Publisher: Square Enix (Business Division 8), Q Studios | Square Enix
Game Director: Takahiro Noda
Musik: Hiroki Kikuta
Spielmodus: Einzelspieler, Mehrspieler (lokaler Koop-Modus mit drei Spielern)
Spielzeit: ca. 16 Stunden (Hauptstory), ca. 20 Stunden (Hauptstory + Nebenaufgaben), ca. 33 Stunden (100%)
Sprache: Dt. Texte, engl. + jap. Sprachausgabe
Plattformen: PlayStation 4, PS Vita, PC (Stand: 25.01.2026)
Altersfreigabe: USK 6
Veröffentlichung: 15. Februar 2018)
Universum: Mana (Seiken Densetsu)
Vorgänger: Mystic Quest (1991)
Nachfolger: Trials of Mana (1995)
Ähnliche Titel: Secret of Mana (1993), Kingdom Hearts (2002), Final Fantasy XII – The Zodiac Age (Remastered) (2006, 2017), Kingdom Hearts – Re:Chain of Memories (Remastered) (2007, 2013), Ever Oasis (2017)
Wertung: 
Testplattform: PlayStation 4
Autor: Jannik
Verfasst am: 31. Mai 2020
Lesezeit: ca. 6 Minuten (Direkt zum Fazit)
Musik zum Lesen:
Hiroki Kikuta – The Dark Star (jap. Ankokusei) (OST) (2018)

Action-Rollenspiel-Klassiker in neuem Gewand
Mit „Secret of Mana“ erschien am 6. August 1993 in Japan und am 24. November 1994 in Europa ein überaus beliebtes Rollenspiel des Entwicklerstudios Square Enix (damals Squaresoft) für das Super Nintendo (SNES).
In „Seiken Densetsu 2“, wie der Titel im Original heißt, machten sich die Spieler mit Schwertkämpfer „Randi“, Heilerin „Primm“ und Koboldin „Popoi“ zu einer Reise auf, um die geheimnisvolle Kraft des „Mana“ zu retten.
Heutzutage – gut 27 Jahre später – gilt das JRPG als Klassiker im Genre und erhielt aufgrund seiner ebenso großen wie nostalgischen Fangemeinde bereits zahlreiche Portierungen für andere Systeme. Im Juni 2019 erschien sogar die „Collection of Mana“ für Nintendos aktuelle Switch.
Diese enthält die ersten drei Spiele der Reihe mit den Titeln „Mystic Quest“ (1991, Game Boy), „Secret of Mana“ (1993, SNES) und „Trials of Mana“ (1995, als „Seiken Densetsu 3“, Super Famicom, kein EU-Release).
Doch nun sollte endlich ein waschechtes Remake kommen, auf das sicher nicht wenige Fans mehr als gespannt hingefiebert haben.

Handlung – Die Welt am Abgrund
„Secret of Mana“ handelt von dem Jungen Randi, der in einer Welt lebt, die durch eine geheimnisvolle Kraft namens „Mana“ im Gleichgewicht gehalten wird.
Nachdem die Menschheit einst diese Kraft missbrauchte, um ein fliegendes Kampfschiff – die Mana-Festung – zu bauen, entzürnte dies die Götter so sehr, dass sie wilde Bestien auf die Welt herabsandten. Es entbrannte ein Krieg zwischen den verfeindeten Seiten. Nur ein Held, der mit dem sagenumwobenen Mana-Schwert bewaffnet war, konnte die Festung zerstören und so Frieden zurückkehren lassen.
Eines Tages ist Randi derjenige, der versehentlich das Siegel des Mana-Schwertes bricht. So wird ihm die Aufgabe zuteil, die Welt erneut vor dem Schrecken des Imperiums zu retten, dessen Ziel es ist, die Mana-Festung wieder auferstehen zu lassen und die Welt abermals in den Abgrund zu stürzen.
Auf seiner Reise trifft er auf das Mädchen Primm und die Koboldin Popoi, die sich ihm anschließen, um ihn im Kampf zu unterstützen.

Die Unterschiede zum Original
Wir möchten uns in diesem Test insbesondere anschauen, was die Unterschiede zum Original sind.
Hat Square Enix an den richtigen Stellschrauben gedreht? Was hat man sich Neues einfallen lassen und wo gibt es Verbesserungen? Es handelt sich bei „Secret of Mana“ schließlich nicht schlicht um ein aufgehübschtes Remaster, sondern um ein Remake.
Genau diese Stellschrauben, Entscheidungen und Justierungen sind für uns der wesentliche Punkt, soviel sei vorab verraten, warum die Neuauflage eine Enttäuschung ist und der Bezeichnung „Remake“ nicht mal annähernd gerecht wird.
Was ist uns besonders aufgefallen? Hier eine Übersicht über die konkreten Kritikpunkte.
Grafik & Ladezeiten
Hatten wir es im Super-Nintendo-Original noch mit ikonischem Pixellook zu tun, setzten die Entwickler im Remake auf einen dreidimensionalen „Chibi-Look“, bei dem die Charaktere wie Karikaturen ihrer selbst wirken. Einige Spieler wird die Grafikqualität sicher an heutige Mobile Games erinnern und abschrecken.
Wir empfanden den Stil als „ganz in Ordnung“. Man kann weder von einer Augenweide sprechen, noch von einem Totalausfall. Die Grafik wäre nicht der Dealbreaker und eher zu verkraften – wenn der Rest stimmen würde. Nebenbei wäre auch eine Wechselmöglichkeit zwischen Retro- und HD-Grafik eine nette Dreingabe gewesen.
Was bei dieser ohnehin schon durchschnittlichen Grafikqualität jedoch gar nicht geht, sind die enormen Ladezeiten zwischen den Arealen, die durch einen schwarzen Bildschirm mit hässlichem „Ladevorgang …“-Schriftzug – ohne jegliche Liebe fürs Detail – angezeigt werden. Bei der Leistung einer PS4-Konsole und der hier gebotenen Grafik muss einfach mehr drin sein. Insbesondere weil die Spieler in „Secret of Mana“ beinahe sekündlich oder zumindest sehr häufig zwischen den Arealen wechseln.

Kein Witz! Hässlicher geht’s nicht. Das ist der Ladebildschirm beim Übergang zwischen den Arealen. Nicht mal für ein Logo hat’s gereicht.
Sich verhakende Mitstreiter und verfehlte Schläge
Was sind vier Punkte, die viele Spieler im originalen „Secret of Mana“ von 1993 am meisten nervten und mit ein Grund dafür sind, warum das Spiel heute als schlecht gealtert gilt? Und was ist der Lösungsansatz der Entwickler für diese elementaren Punkte? Man weiß nicht so recht, ob man weinen oder lachen soll.
- Nervfaktor 1: Sich ständig in der Umgebung verhakende Mitstreiter, die wie beschwipste Pogopuschel hinter einem herlaufen. Lösung: Mitstreiter einfach zurück- und Spieler weiterziehen lassen. Irgendwann findet der schon wieder zum Spieler … vielleicht.
- Nervfaktor 2: Dauerhaft verfehlte Schläge im Kampf ohne ein wirkliches Treffer-Feedback. Lösung: Ein beherztes „VERFEHLT“ wenn der Schlag nicht trifft, was gefühlt bei jedem zweiten Schlag aufploppt.
- Nervfaktor 3: Zauber, die im Ringmenü mal ausgewählt werden können und mal nicht, obwohl die Gegner teilweise direkt vor einem stehen, das Spiel diese Gegner aber nicht als auswählbar ansieht. Lösung: Keine.
- Nervfaktor 4: Enorme Verzögerung zwischen Hit und Damage. Lösung: Keine.

Sackgasse. DIe Mitstreiter sind genau so kopflos wie damals.

Ständiges „VERFEHLT“ – Ohne wirkliches Treffer-Feedback!

Das klassische Ring-Menü ist wieder mit von der Partie. Besonders nervig: nicht immer auswählbare Zauber während des Kampfes.

Die Verzögerung zwischen Hit und Damage ist zwar ein typisches Merkmal des Originals – nervt aber trotzdem und wirkt für heutige Standards träge.
Lokalisierung am Herzen der Fans vorbei
„Secret of Mana“ war in Deutschland für seine zwar sehr freie, aber dafür auch gelungene Lokalisierung von Claude M. Moyse bekannt. Diese zeichnete sich durch skurrile, aber auch charmante Eigenheiten aus.
Der Kultklassiker ist selbstverständlich der Spruch: „Die Lindenstraße fängt gleich an“. Aber auch die drolligen Eigennamen der Gegner wie etwa Pogopuschel (jetzt Mümmler) oder der freche und humorvolle Ton insgesamt prägten die Kindheit der Spielerschaft.
Doch „Square Enix“ scheint in Deutschland kein Herz für die nostalgischen Gefühle der Fans zu haben. Nicht nur bekannte Sprüche fielen dem Rotstift zum Opfer: Einfach alles wurde umbenannt. Ob Städte, Charaktere oder Gegner. Die neue deutsche Lokalisierung macht vor keinem klassischen Element halt und wurde komplett erneuert.
Fairerweise sei jedoch auch angemerkt, dass die Neuauflage objektiv gesehen sprachlich korrekter und damit authentischer übersetzt wurde. Damit entspricht sie eher dem Original, was wir grundsätzlich als wünschenswert empfinden.

Bis heute unvergessen: Die freie und humorvolle Lokalisierung von Claude M. Moyse.
Sprachausgabe | Zwischensequenzen | Intermezzo-Episoden
Die Entwickler hauchten der Präsentation von „Secret of Mana“ darüber hinaus insgesamt frischen Wind ein.
So wurden sowohl einige Zwischensequenzen als auch sogenannte Intermezzo-Episoden eingefügt. Außerdem wurde dem Spiel eine komplette Sprachausgabe in Japanisch und Englisch spendiert.
Klingt erst mal nach einem positiven Schritt. Die Zwischensequenzen sind jedoch so gering an der Zahl, dass sie fast nicht erwähnenswert sind.
Bei den Intermezzo-Episoden handelt es sich um kurze erzählerische Szenen, in denen die Charaktere in einer Nahaufnahme hervortreten, sich gegenüberstehen und die Story erzählen. Diese werden z. B. auch verwendet, wenn man in der Herberge übernachtet. Das Problem: Neben der Hauptgeschichte wird nichts Relevantes erzählt und die meiste Zeit keifen sich die Protagonisten nur kindisch an. Hier hätte so viel mehr Liebe in die Hintergrundwelt investiert werden können, um gemeinsam mit den Autoren die Geschichte zu intensivieren.
Besonders merkwürdig: Für die Animation der Münder beim Sprechen ist Square in allen Sequenzen wohl das Budget ausgegangen oder sie hatten einfach keine Lust. Verkauft sich ja auch so automatisch.

Randi ist enttäuscht über zu wenige Zwischensequenzen

Die Intermezzo-Episoden hätten Potenzial gehabt. Das Ergebnis ist ernüchternd.
Soundtrack & Minimap – Wir haben die Wahl
Auch im Remake zeichnet sich Komponist Hiroki Kikuta für die Musik verantwortlich. Diese Neuinterpretation ist mal gelungen, mal aber auch schrill und merkwürdig. Dudelsack und Technobass wirkten in einigen Stücken dann doch etwas befremdlich. Doch keine Sorge: Das Positive ist, Ihr könnt zwischen klassischem und Remake-Soundtrack wählen.
Außerdem neu hinzugekommen ist eine Minimap, die oben rechts im Bild eine kleine Umgebungsübersicht ermöglicht. Diese nervt manchmal ordentlich. Wenn man sich in ihre Richtung bewegt, verdeckt sie einen wesentlichen Ausschnitt des Bildes. Ab und zu ist sie aber auch hilfreich, da sie hilft, eine grobe Übersicht des Areals zu erhaschen. Doch keine Sorge: Das Positive ist, auch diese Minimap kann aktiviert oder deaktiviert werden.

Die Mini-Map in einer vergrößerten Darstellung. Wenn Ihr euch nach rechts oben bewegt, kann sie manatastisch nerven.
Weitere Ärgernisse
- Zusätzlich erfahren wir in einem „Was bisher geschah“-Menüpunkt etwas über den aktuellen Stand der Geschichte. Dies ist eine nette Idee, vor allem wenn man mal den Überblick verliert. Leider wird jedoch immer nur der aktuelle Stand gezeigt, ohne Möglichkeit, vorherige Abschnitte nochmals zu lesen.
- Was sich außerdem zu den größeren Problemen dazu gesellt, ist die völlig irreführende und nervige Programmierung der Übergänge zwischen mehreren Arealen. Eine unsichtbare Linie gibt vor, ab welchem Punkt der Spieler in ein neues Areal übergeht. Ihr seht also nicht genau, wo ein Bereich endet. So begebt Ihr euch während des Kampfes oft versehentlich in diese Zone. Da Gegner nach jedem Übergang neu erscheinen, führt dieser Umstand zu extremen Frustmomenten.
- Der Schwierigkeitsgrad wurde deutlich heruntergeschraubt. Hatte man beim SNES-Original teilweise wirkliche Probleme mit Endbossen, reicht nun oft der erste Versuch, um sie zu Hackfleisch zu verarbeiten.
- Regelmäßige Abstürze und Bugs, die erst sehr spät seitens der Entwickler gepatcht wurden, sprechen Bände über die Qualität der Programmierung.
- Das waren nur einige der wichtigsten bzw. auffälligsten Probleme, die uns beim Test des Remakes aufgefallen sind. Die Liste könnte man sicher noch sehr viel weiter fortführen.

Schöne Artworks können nicht über die offensichtlichen Schwächen des Remakes hinweg täuschen.
Tabelle: Woran Square Enix hätte arbeiten sollen – Woran Square Enix gearbeitet hat
Um die zahlreichen Kritikpunkte besser zu veranschaulichen und die misslungene Neuausrichtung übersichtlicher darzustellen, haben wir eine Tabelle erstellt.
An welchen Stellschrauben hätten die Entwickler drehen können und an welchen haben sie letztendlich gedreht?
| Potenzial | Tatsächlich umgesetzt | |
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Pixel-Look ersetzt Verhaken „Verfehlt“-Balance Verz. Hit & Damage Kleidung sichtbar Ringmenü opt. Ladezeiten Dt. Lokalisierung Sequ. (Münder) OST-Wahl Grafik-Wahl Minimap Schwierigkeit Entfernen von ikonischen Details (bspw. Schlafanimation der Koboldin oder rauszoomen bei Schnellreise mit Kanonenbrüdern) |
x x x x x x x x x
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x x x
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x |

Was findet Ihr charmanter? Pixel-Look des Originals oder HD-Grafik des Remakes?
Fazit – Spielt das Original!
Das Remake von „Secret of Mana“ ist insgesamt eine verunglückte Neuauflage, bei der das verantwortliche Studio ungeniert an unnötigen Punkten den Rotstift ansetzte, während massig Potenzial zur Verbesserung des Spielerlebnisses verschenkt wurde.
Das Spiel bietet keinerlei Mehrwert zum Original. Es wurde schlicht versäumt, an den richtigen Stellschrauben zu drehen. Es wirkt programmiertechnisch sowie designtechnisch wie hingerotzt. Darüber hinaus wurden sympathische und ikonische Eigenheiten entfernt oder geändert.
Letztendlich ist also unser trauriges Fazit: Spielt zum Trost das Original! Denn das kann uns Fans niemand wegnehmen und trotz einiger schlecht gealterter Umstände kann man dieses auch heutzutage glücklicherweise noch spielen – und genauso viel Freude daran haben wie damals. Neu ist eben nicht automatisch besser!

Trailer
Der offizielle deutsche Ankündigungs-Trailer zum Remake von „Secret of Mana“
Der offizielle deutsche Launch-Trailer zum Remake von „Secret of Mana“
















































































Weitere Wertungen
→ Spielenswert 


