
Lesemusik:
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roter Faden-Durchschnittswertung - 10/1010/10
Jannik meint - Lieblingsserie
„jerks.“ ist eine zum Fremdschämen gute deutsche Serie, die eine Grenzüberschreitung nach der anderen abfeiert.
Die peinlichsten Momente und Konstellationen aus dem Leben zu erfassen, nachzuspielen und dabei ohne Rücksicht regelrecht darin herumzupulen, scheint nicht nur Christian Ulmens Absicht, sondern Auftrag!
Selbst schrieb der Regisseur an den Büchern ab Staffel 2 mit, während Ulmen-Vertrauter Johannes Boss, seines Zeichens zwischen 2009 und 2018 Headwriter für Ulmens Produktionsfirma „Ulmen Television“, als einziger Autor an den Drehbüchern aller bisher veröffentlichten Staffeln mitwirkte. Übrigens handelt es sich bei „jerks.“ um eine Adaption der dänischen Comedy-Serie „Klovn“.[1]
Eine der größten Stärken der Dramedy ist die Selbstironie der Darsteller, die allesamt mit ihren Klarnamen auftreten. So spielen sie sich mehr oder weniger selbst. Positiv verwirrend für den Zuschauer ist dabei, dass nicht ersichtlich ist, welche Elemente fiktiv sind und welche realen Bezug haben. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den in jeder Episode wiederkehrenden Hinweis, die Serie basiere auf wahren Begebenheiten.
Darüber hinaus ist die Improvisation der Darsteller ohne ein zu stark vordefiniertes Skript eine absolute Meisterleistung. Gerade Ulmen und vor allem Fahri Yardim fördern immer wieder teils zynische Konversationen zutage, die nur durch Impro-Schauspiel überhaupt entstehen konnten. Der Darsteller dazu selbst im Making-of:
Und es ist wirklich schwarzhumorig mit verstörendem Beigeschmack, welche gesellschaftlichen Tabubrüche die beiden immer wieder begehen und vor allem welche Konsequenzen daraus resultieren.
Der Fremdschampegel steigt immer wieder nicht nur ins Bodenlose, sondern schonungslos bis ins Unermessliche. Oft will man einfach nur, dass es aufhört, und weiß nicht, ob man weinen oder lachen soll. Ulmens Serie bietet über ihre aktuell vier Staffeln so viel Unbehagen und so viele belustigende Glanz-Momente.
Erträgt man anfangs durch das bloße Unwohlsein nur wenige Episoden am Stück, entwickelt sich irgendwann eine süchtig machende Sogwirkung. Man kann nicht mehr wegsehen.
Die größten Schwächen zeigt „jerks.“ dort, wo die Serie versucht, ernst und oder glaubwürdig zu sein. Durch die Absurdität, beinahe absichtliche Dummheit oder das selbstzerstörerische Verhalten der Protagonisten wirken die Konsequenzen und Resultate häufig konstruiert. Das ist aber nie etwas, was „jerks.“ so wirklich schadet. Die Schauspieler und Rollen bleiben trotzdem nahbar. Trotz ihrer offensichtlichen Macken oder gerade wegen dieser liebenswerten Verschrobenheit möchte man immer weiterschauen.
Insgesamt ist „jerks.“ so ein außergewöhnliches Fremdscham-Abenteuer mit extrem hohem Wiedererkennungswert und schafft als Fettnäpfchen-Comedy der Extraklasse, das Kunststück, eine absolute Ausnahme in der deutschen Serienlandschaft zu sein.
(21. Dezember 2022)
Genre: Dramedy, Deutsch, Schwarze Komödie
Originaltitel: jerks.
Produktionsland: Deutschland
Studio | Vertrieb: Talpa Germany (S1-3), Pyjama Pictures (S4-5) | Maxdome, Joyn
Showrunner: Christian Ulmen
Idee: Casper Christensen, Frank Hvam
Vorlage: Klovn (2005-2025)
Executive Producer: Carsten Kelber, Karsten Roeder, Casper Christensen, Frank Hvam, Daisy Rosemeyer, Christian Ulmen
Kamera: Florian Licht
Musik: Studio Bonaparte
Staffeln: Staffel 1 (10 Episoden) | Staffel 2 (10 Episoden) | Staffel 3 (10 Episoden) | Staffel 4 (12 Episoden) | Staffel 5 (10 Episoden)
Länge: ca. 19-27 Minuten je Episode
Altersfreigabe: FSK 16
Erstveröffentlichung (Streaming): 26. Januar 2017 (Staffel 1) | 29. März 2018 (Staffel 2) | 18. Juni 2019 (Staffel 3) | 23. Dezember 2020 (Staffel 4) | 2. Februar 2023 (Staffel 5)
Ähnliche Titel: Stromberg (2004-2012), Klovn (2005-2025), Pastewka (2005-2020), Die Discounter (2021-2024), Intimate (2023-…), Player of Ibiza (2024)
Was haltet Ihr von der grenzüberschreitenden Serie, die Spießern zweifelsohne die Schamesröte ins Gesicht treibt? Scheißt Ihr auf gesellschaftliche Tabus?
Die deutsche Medienlandschaft wird übrigens aktuell von Negativschlagzeilen dominiert, was in Anbetracht der heiklen Themen, die „jerks.“ behandelt, irgendwie ironisch ist. Christian Ulmen wird von seiner Ex-Frau Collien Fernandes im Magazin „Spiegel“ vorgeworfen, sie jahrelang „virtuell vergewaltigt“ zu haben.
Die Berichterstattung überschattet auch Ulmens Werk: Die Serie wurde mittlerweile vom Streamer „Joyn“ entfernt. Und jetzt Ihr: Teilt Eure Gedanken zu „jerks.“ mit uns in der Kommentarsektion! Wir würden uns freuen. Und Fari bestimmt auch!
Trailer
Die offiziellen Trailer zu Staffel 1-4
Der offizielle Trailer zur finalen fünften Staffel
