Pokémon Sonne/Mond (2016)


Mit 13. über­zeu­gen­den Argu­men­ten inklu­si­ve Fazit, zer­reißt unser Autor die Edi­tio­nen “Son­ne & Mond” der neu­es­ten Poké­mon Generation.
War­um das Spiel so vie­le Fans ent­täuscht hat erfahrt ihr hier auf derofa.de


Gen­re: JRPG

Autor: Jayes

Test­platt­form: Nin­ten­do 3DS

Ver­fasst am: 08.02.2017

Wer­tung:  


Was hat Game­Freak da gerit­ten, etwa ein Pampross?

Wo gera­de die Ent­wick­ler von Poké­mon, ein Garant für das aus­lö­sen von Begeis­te­rung, bei Vete­ra­nen und Neu­lin­gen glei­cher­ma­ßen waren und für eine Ver­schmel­zung der alt­be­währ­ten Spiel­me­cha­ni­ken, mit klei­nen inter­es­san­ten Neue­run­gen stan­den, ist dies in der inzwi­schen 7. Genera­ti­on kom­plett in die Hose gegangen. 

In 2017 scheint also nicht mal mehr Poké­mon, eine der letz­ten Kon­stan­ten der Video­spiel­welt zu sein. Das stimmt Fans der ers­ten Stun­de trau­rig und lässt zurück­seh­nen in die guten alten Zeiten. 

Da uns beim aus­fürhli­chen Test von “Poké­mon Mond” so vie­le nega­ti­ven Kri­tik­punk­te auf­ge­fal­len sind, wer­den wir die­se hier in unse­rem Review auf derofa.de auflisten: 

1. Die alt­be­kann­ten Ter­rain-Atta­cken wur­den durch “Poké Mobil” ersetzt.
Der Vor­teil dar­an, wir müs­sen unse­ren Poké­mon kei­ne unlieb­sa­men Atta­cken mehr bei­brin­gen, die wir eigent­lich gar nicht möchten.
Der Nach­teil: Die­ses Gefühl, dass man nur wei­ter kom­men kann, wenn man eine zuvor hart erkämpf­te VM nutzt, mit deren Hil­fe man mit sei­nem eige­nen Poké­mon Hin­der­nis­se über­quert, gehört der Ver­gan­gen­heit an. Und mal ehr­lich, das hat die Ter­rain-Atta­cken doch erst ausgemacht.
Bes­ser wäre hier der längst über­fäl­li­ge von Fans gefor­der­te Kom­pro­miss gewe­sen, das VMs nötig blei­ben um das Ter­rain zu meis­tern, aber ohne Atta­cken­ver­ler­ner ver­lernt wer­den kön­nen. Alle VM’s wur­den übri­gens in die Lis­te der TM’s aufgenommen.

2. “Poké­mon Sonne/Mond” bie­tet ein Nin­ten­do unty­pi­sches und unge­wohnt unflüs­si­ges Spiel­erleb­nis. Frame­ra­te­ein­brü­che sind an der Tages­ord­nung, weil die Ent­wick­ler zu viel woll­ten. Game­Freak wir fra­gen uns, war­um muss man das Grund­ge­rüst der gran­dio­sen Spie­le AS/OR und X/Y ver­schlimm­bes­sern und so verunstalten.

Die alte Weis­heit weni­ger ist mehr, trifft hier wie das Nock­chan aufs Auge. Das gesam­te Spiel­ge­rüst, war für ein Gerät mit der Hard­ware wie dem 3DS, bereits in der 6. Genera­ti­on ausgereizt. 

Pom­pö­se Gra­fik und Cuts­ce­nes machen kein gutes Spiel. S/M ist der bes­te Beweis dafür. Über­haupt ist das Spiel zuge­müllt mit rechen­in­ten­si­ven Belang­lo­sig­kei­ten. Das bringt uns zum nächs­ten Punkt.

3. Im gesam­ten Spiel­ver­lauf hat man wenig Frei­raum. Stän­dig wird an uns gezerrt und aus­führ­lich vor­ge­kaut, was als nächs­ten zu tun ist. Freie Ent­schei­dun­gen sind kaum mög­lich und alles ist streng vor­ge­s­krip­tet. Eine Cuts­ce­ne folgt der nächs­ten. Man wird mit viel zu vie­len, end­lo­sen Zwi­schen­se­quen­zen geplagt, denen wir hoff­nungs­los aus­ge­lie­fert waren.

4. Für Nut­zer von “Poké­mon Bank”, die ihre Taschen­mons­ter von älte­ren Genera­tio­nen auf S/M über­tra­gen möch­ten, gibt es kein zurück mehr. Ein­mal über­tra­ge­ne Poke­mon kön­nen NICHT wie­der auf Vor­gän­ger­ver­sio­nen über­tra­gen wer­den. Eine Benut­zer­un­freund­li­che, unnö­ti­ge Ein­bahn­stra­ße sei­tens der Ent­wick­ler, die unse­re in letz­ter Zeit lieb­ge­wor­de­ne Poké­bank, auch gleich wie­der abwertet.

5. Die wohl bekann­tes­te und zugleich gra­vie­rends­te Neue­rung ist, dass die klas­si­schen Poké­mon Are­nen durch soge­nann­te “Prü­fun­gen” ersetzt wur­den. Für jede abge­schlos­se­ne Prü­fung gibt es einen “Z-Kris­tall”, wel­cher für neue “Z-Atta­cken” genutzt wer­den kann. Hört sich erst­mal ähn­lich an.

Die Prü­fun­gen sind jedoch nicht halb so ele­men­tar, elek­tri­sie­rend, und ner­ven­auf­rei­bend, wie die guten alten Are­na­kämp­fe. Statt­des­sen wir­ken sie banal und lang­wei­lig, sodass wir ein­mal nicht ein­mal bemerk­ten, über­haupt in einer Prü­fung zu sein. Die meis­ten Prü­fun­gen bestehen dar­in, lang­wei­li­ge Auf­ga­ben zu lösen, wie Kräu­ter zu sam­meln und das dann auch noch von der “Pflan­zen­tan­te” aus­führ­lich kom­men­tie­ren zu lassen. 

Außer­dem ver­brin­gen wir unse­re Zeit mit dem bahn­bre­chen­den Foto­gra­fie­ren von Geis­tern, drei Ratt­fratz besie­gen und viel welt­be­we­gen­des mehr. Danach kommt dann z.B., das im Effekt­feu­er­werk insze­nier­te Herr­scher­po­ké­mon Rat­tikarl über den Bild­schirm geru­ckelt, was am Ende doch nichts drauf hat, außer Zahnbelag. 

Im Klar­text heißt das: Kein Fee­ling der Orden­jagd mehr, wo man jeden hart erkämpf­ten Orden noch zu schät­zen wuss­te. Statt­des­sen per­ma­nen­te Zumül­lung mit “Z-Kris­tal­len”, wo man mit den meis­ten eh nichts anfan­gen kann bzw. will. Die wirk­lich coo­len, zuletzt ein­ge­führ­ten Mega Ent­wick­lun­gen im Poké­mon Uni­ver­sum, wer­den nur noch stief­müt­ter­lich behan­delt und spie­len nur eine klei­ne, bis gar kei­ne Rol­le mehr.

6. Der Fes­ti­val Pla­za. Das über­sicht­li­che und mini­ma­lis­ti­sche Menü aus den Vor­gän­gern, mit dem man z.B. die GTS Funk­ti­on nutz­te, muss dem Fes­ti­val Pla­za wei­chen. Einem völ­lig unnö­ti­gen Platz, der wohl dem Social Media Trend folgt und die Ver­net­zung und Inter­ak­ti­on mit ande­ren Spie­lern vebes­sern soll. Es gibt Din­ge die die Welt braucht. Fes­ti­val Pla­za, glo­ba­le Her­aus­for­de­run­gen und Inseln für mei­ne PC Boxen Poké­mon, gehö­ren defi­ni­tiv nicht dazu.

7. Das Set­ting. Grund­sätz­lich ist es kei­ne schlech­te Idee, einen Schau­platz wie Hai­waii und des­sen Flair, auf das Spiel­prin­zip zu über­tra­gen und so eine “Alo­la Regi­on” zu kre­ieren, die fri­schen Süd­see-Wind auf­kom­men lässt.

Nur lei­der funk­tio­niert es nicht. Vie­les wirkt unpas­send und auf­ge­setzt. Die Alo­la For­men sind aus­tausch­bar und kei­ne nen­nens­wer­te Erneue­run­gen, die dem Spiel einen Mehr­wert brin­gen. Die Nutz­lo­sig­keit der For­men zeigt sich letz­ten Endes auch dar­in, dass die­se nicht ein­mal einen eige­nen Ein­trag im Poke­dex spen­diert bekom­men haben. So blei­ben sie eine klei­ne Unter­art und Rand­no­tiz in der 7. Poké­mon Generation.

8. Team Skull. Die Ant­ago­nis­ten in Poké­mon, waren ja noch nie beson­ders hel­le. Aber Team Skull schiesst das Taubsi ab. Das Geha­be und die unlus­ti­gen Sprü­che sind der­ma­ßen däm­lich, dass man mit der Zeit nur noch genervt ist und pein­lich berührt Dia­lo­ge skipt. Gegen Team Skull ist das gute alte Team Rocket, eine inte­lek­tu­el­le Offenbarung.

9. Um die Ein­stei­ger­freund­lich­keit noch mehr zu erhö­hen, sagt einem das Spiel jetzt sogar vor, wel­che Atta­cken sehr effek­tiv, effek­tiv, nicht effek­tiv oder wir­kungs­los sind. Was zuerst sinn­voll klingt, wider­spricht jedem Anspruch eines wah­ren Poké­mon­trai­ners. Frü­her war es nötig wis­sen über die Sta­tus­ef­fek­te, Atta­cken­ar­ten, Ele­men­te usw. zu erwer­ben und ein­zu­set­zen. Jetzt klickt man stu­pi­de das, was als sehr effek­tiv vor­ge­ge­ben wur­de, ohne selbst über das war­um nachzudenken.

10. Der “Atta­cke ler­nen Screen”. Die­ser ist nicht mehr mit B zu skip­pen. Man muss manu­ell nicht erler­nen wäh­len, was wie­der mit einem Minus in der Benut­zer­freund­lich­keit zu Buche schlägt.

Dafür gibt es immer­hin bei der Atta­cken­in­fo die Mög­lich­keit, gleich “nicht erler­nen” aus­zu­wäh­len. Außer­dem ist die Atta­cken­in­fo auch im Kampf einsehbar.

11. Ultra­bes­ti­en.

Das Kon­zept um die, neben der Alo­la-For­men, ein­ge­führ­ten Ultra­bes­ti­en, scheint so fehl am Platz wie ein Klein­stein im Was­ser. Die­se wer­den nicht zu den bis­her bekann­ten, legen­dä­ren Poké­mon gezählt, son­dern sind eine eige­ne Art von Poké­mon n, die aus der Ultra­di­men­si­on aus, soge­nann­ten Ultrapfor­ten in die Welt der Poké­mon kommen. 

12. Wo wir sonst gut und ger­ne 60 Stun­den auf­wärts, in ein Poké­mon Spiel inves­tiert haben, waren wir mit “Poké­mon Mond” nach 25 Stun­den durch. Sicher hät­ten wir mehr Spiel­zeit her­aus holen kön­nen aber es spricht Bän­de über die Qua­li­tät des Spiels, wenn sich Poké­mon Vete­ra­nen, irgend­wann den Abspann her­bei sehnen.

12. Beim Kampf gegen wil­de Poké­mon, rufen die­se um Hil­fe und wol­len Mit­strei­ter an ihre Sei­te holen. Bloß blöd wenn nie­mand kommt. Was für eine Zeit­ver­schwen­dung, in der ohne­hin schon zuge­stopf­ten Cutscene-Orgie.

13. Rotom und der Pokédex.

Den Poké­dex kann­te man als hilf­rei­chen Mini­com­pu­ter und Nach­schla­ge­werk, um aller­lei Infos zu den belieb­ten Taschen­mons­ter abzu­ru­fen. Nun hat sich Rotom im Poké­dex breit gemacht, kaut uns die Ohren ab wie ein Kau­ma­lat und muss plau­dernd wie ein Plau­da­gei, ein­fach alles was geschieht kommentieren.

Fazit:

Es ist trau­rig was die Ent­wick­ler mit S/M abge­lie­fert haben. Auch auf Game­Freak und Nin­ten­do scheint kein ver­lass mehr zu sein. S/M ist zwar immer noch Poké­mon, aber ein stu­pi­des, ver­schlimm­bes­ser­tes, ohne Anspruch. Es igno­riert dabei fast alles, was Poké­mon in den letz­ten Jahr­zehn­ten aus­ge­macht hat. So vie­le Nega­tiv­kri­tik­punk­te, über­schat­ten die neue Genera­ti­on, was eine her­be Ent­täu­schung für jeden Vete­ra­nen dar­stel­len muss. 

Es bleibt zu hof­fen, dass sich die Ent­wick­ler im nächs­ten Teil wie­der auf ihre alten Stär­ken besin­nen und das Fran­chise in Zukunft, mög­li­cher­wei­se dann auf der Nin­ten­do Switch, doch noch geret­tet wer­den kann.


 

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